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Türen aus Holz als Hochwasserschutz?

Die Klimaforschung prognostiziert für die Zukunft eine Zunahme von extremen Wetterereig-nissen, die zu Hochwasser und Überschwemmungen führen. Problematisch ist die oft feh-lende Vorwarnzeit bei lokalen Starkregenereignissen, was zeigt, dass in gefährdeten Gebie-ten eine Hochwasserschutzfunktion permanent vorhanden sein sollte. Im Bereich des per-manenten Hochwasserschutzes für den Hauseingangsbereich sind derzeit zwar einige weni-ge Lösungen bekannt, jedoch sind diese funktional und gestalterisch meist nur bedingt für den Privatbereich geeignet. Oftmals handelt es sich um metallbasierte Türkonstruktionen, die den statischen Erfordernissen angepasst werden können sowie um spezielle Sonderab-dichtungen zwischen Flügel und Blendrahmen.

Kann eine Hauseingangstür aus Holz auch vor Hochwasser schützen? Mit dieser Frage be-schäftigen sich derzeit Mitarbeiter des IHD in einem Forschungsprojekt.

Die Herausforderungen bei der Entwicklung einer Hauseingangstür aus Holz mit nutzerunab-hängiger und damit permanent vorhandener Hochwasserschutzfunktion liegen im werk-stoffbedingten Verhalten gegenüber Wasser und Feuchtigkeit (Quellen und Schwinden) so-wie in der Gewährleistung eines hohen Anpressdrucks zur Erzielung der Wasserdichtheit unter Erhalt der Basiseigenschaften.

Lösungsansätze gibt es u. a. in den Bereichen der Öffnungsrichtung und Falzgeometrie, dem Türband sowie der Türschwelle. Bei anstehendem Hochwasser werden durch die Gewichts-kraft des Wassers enorme Drücke hervorgerufen. Um der von derartigen Bedingungen aus-gehenden Gefahr des Versagens von Schließteilen zu begegnen und den anliegenden Was-serdruck für eine Erhöhung des Dichtschlusses zu nutzen, wurde statt der typischerweise nach innen öffnenden Ausführung eine nach außen öffnende Türkonstruktion favorisiert. Diese Konstruktion hält erhöhten mechanischen Belastungen stand und gewährleistet durch doppelfalzige Türmuster mit hohen Profildicken eine ausreichende Stabilität bzw. Steifigkeit. Die ausgewählte Türschwelle verfügt über einen variablen Anschlag, der durch Adapter-Profile die Einstellung einer definierten Falzluft erlaubt. Somit kann ein ausreichender An-pressdruck zwischen Türschwelle und Anschlagdichtung erzielt werden.

Bei Untersuchungen zur Wasserdichtheit in einem eigens für das Projekt gebauten Hochwas-serprüfstand konnte u. a. festgestellt werden, dass die üblicherweise harten verklebten Sili-kondichtungsecken keine gleichmäßige Auflagefläche aufweisen, sodass Wasser von der Au-ßenseite in den Falz eindringen kann. Durch den Einsatz weicher Silikondichtungsecken konnte die Menge eindringenden Wassers erheblich reduziert werden. Die ersten Ergebnisse zur Wasserdichtheit der finalen Mustertüren sind vielversprechend und werden derzeit noch abschließend ausgewertet.

Ansprechpartner im IHD:
Rodger Scheffler, rodger.scheffler@ihd-dresden, Tel: 0351-4662399
Lutz Neugebauer; lutz.neugebauer@ihd-dresden.de, Tel: 0351-4662302